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Überleben in der Finanzkrise

Teil 3: Heraus aus der Opferrolle

Der Finanzkrise den Stinkefinger zeigen ;-)

© Thomas Max Müller / pixelio.de

Wie kann man denn nun konstruktiv damit umgehen, wenn einem das Leben zeigt, dass „Gott einen harten linken Haken“ hat, wie es Peter Fox in seinem Song „Haus am See“ singt? Und das auch noch, wenn die eigene Stimmung so wie der Refrain „Guten Morgen, Berlin, du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau ...“ des Liedes „Schwarz zu Blau“ des gleichen Musikers ist?

Klaus hat es versucht. Es ist ihm sogar gelungen. So schwierig war das nicht. Anstatt sich mit der Kurzarbeit zufriedenzugeben, startete er den Bewerbungsmarathon - viel eher als seine Kollegen. Den Mut dazu fasste er durch ein neues Denken. Er sagte sich: „Wenn ich mich schon jetzt um einen neuen Job bewerbe, dann habe ich weniger Konkurrenz als wenn ich so lange warte, bis die Kurzarbeit ausläuft und wir alle entlassen werden. Außerdem ist das Betriebsklima bei uns nicht mehr wirklich gut. Es kann also nur besser werden. Sollte ich diesen Job auch verlieren, nach 12 Monaten keinen neuen finden, bei dem ich genug verdiene und tatsächlich der worst case eintreten, dass ich zum Jobcenter muss, dann gehe ich dort selbstbewusst hin. Das Arbeitslosengeld II ist nämlich kein Almosen, für das ich dem Staat die Füße küssen muss, sondern ich habe einen Rechtsanspruch darauf. Vielleicht wird eine Zeit kommen, in der ich nur die Wahl zwischen Armut mit Arbeit und Armut ohne Arbeit habe, doch ich habe immerhin noch eine Wahl. Ohne Arbeit fällt mir die Decke auf den Kopf. Also werde ich alle Gelegenheiten nutzen, um etwas zu tun - und wenn ich mich selbstständig mache. Dann finanziere ich meine Selbstständigkeit mit zusätzlichen Minijobs und falls das nicht reichen sollte, mit der Aufstockung durch Hartz IV. Mein Selbstwertgefühl mache ich nicht von meinem Einkommen abhängig. Auch mit weniger Geld auf dem Konto werde ich immer noch derselbe Klaus sein, der ich gewesen bin, als ich noch meinen gutbezahlten Job hatte.“

„Wir schwitzen in der Klemme zwischen Arbeit als Erwerb und Arbeit als Selbstverwirklichung.“

„I did it my way“
(Frank Sinatra)

© Angela Parszyk / pixelio.de

Diesen klugen Satz sagte der deutsche Philosoph Manfred Hinrich (geb. am 9. November 1926 in Berlin), der zusätzlich als Kinderliederautor, Journalist und Aphoristiker arbeitet. Besonders die „Generation Krise“ kann ein Lied davon singen. Ihre Situation ist dem Magazin STERN vom 13.08.2009 sogar einen Artikel wert. Im Teaser heißt es: „Sie haben gelernt, studiert und oft einen beeindruckenden Lebenslauf - und doch Angst vorm Scheitern“. Auf der ersten Seite des Artikels ist das Foto einer jungen Frau abgebildet. Anklagend steht darunter: „Kathi, 25, sucht einen Job als Journalistin. Sie hat mehrere Abschlüsse, macht Praktika - und wartet“. Der Tenor dieses Artikels ist so, dass man den Satz am liebsten mit „bis zur Rente mit 67 auf einen festen Job“ beenden möchte.

Die Elterngeneration würde ihr am liebsten sagen: „Mädchen, hättest du doch bloß was Vernünftiges gelernt“. Doch „sie wusste schon mit 15, was sie werden will: Journalistin. Jetzt ist sie 25. Sie hat dafür geschuftet in den vergangenen Jahren. Sie hat das Studium in acht Semestern abgeschlossen, inklusive Prüfungen, Praktika, Auslandssemester - und nebenher gejobbt, als Erdbeerverkäuferin, als Spendensammlerin, als Kellnerin und frei für Zeitungen geschrieben“. Soll heißen - sie hat für den Lebenslauf gelebt, doch trotzdem wird ihr der Einstieg in den Beruf verweigert.

Das ist die eine Seite der Medaille, die hier als Wahrheit verkauft wird. Die andere Seite wird nur kurz angerissen und bagatellisiert. Lakonisch heißt es: „ und frei für Zeitungen geschrieben“. Bezeichnenderweise wurden nämlich ihre weniger qualifizierten Nebenjobs zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts zuerst genannt. Die Kehrseite der Medaille - Kathi arbeitet bereits seit ihrer Studienzeit als freie Journalistin. Wie sollte das freie Schreiben für Zeitungen denn sonst bezeichnet werden? Im STERN wird sie aber als Dauerarbeitslose und Endlospraktikantin dargestellt. Als Opfer der Krise und einer falschen (?) Studienwahl. Dabei ist sie genau das, was sie schon seit ihrem 15. Lebensjahr werden wollte - freie Journalistin. Sie kann zwar alleine davon nicht leben und ihren Eltern ging es finanziell auch besser als sie in ihrem Alter waren, doch sie hat alle Chancen ergriffen, so viel Lebens- und Berufserfahrung wie möglich zu sammeln und sie findet einen Weg, um ihre Leidenschaft - das Schreiben - zu finanzieren. Ist sie deswegen unglücklicher als ein 55-Jähriger, der den üblichen Lebenslauf Schule - Lehre - Abitur auf dem zweiten Bildungsweg - Studium - Stelle 1 - Beförderung 1 - Beförderung 2 - Beförderung 3 - Kurzarbeit - mitbringt und sein Reihenhaus fast abbezahlt hat?



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Ute Albrecht
Bewerbungsberaterin


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