Bewerbungshelferin Ute Albrecht in Radio 100,6, Teil 2

Fear factor Vorstellungsgespräch

Passenderweise spielten sie zu Beginn des Themas Vorstellungsgespräch den etwas älteren Titel „Thriller“ von Michael Jackson. Gaby Schulz moderierte mit bedeutungsschwangerer Stimme: „Es ist so weit. Schüchtern fahren Sie mit dem Fahrstuhl in die erste Etage und wischen sich noch einmal die feuchten Hände ab, weil Sie ja sooo aufgeregt sind. Dabei geht es Dank der Bewerbungshelferin auch anders. Wie verhalte ich mich richtig? Was machen Bewerber falsch?“

Es ist z. B. nicht so gut, wenn Bewerber mit gesenktem Haupt in die Höhle des Löwen gehen. Der Händedruck ist auch entscheidend, denn oft schließen Personaler von der Art des Händedrucks auf die Persönlichkeit des Kandidaten. Bei zu laschem Händedruck wird man(n) für ein Weichei gehalten und wenn der Personalchef nach der Begrüßung erst mal die Vollständigkeit seiner Finger überprüfen muss, dann war der Händedruck wohl etwas zu kräftig...

„Was ziehe ich bloß an?“, rätseln die meisten Glücklichen, die eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen haben. Der Kleiderschrank ist zwar voll, aber trotzdem hat frau nichts Anzuziehen...

Was sagt dazu die Bewerbungshelferin? Ich sage dazu, dass es am cleversten ist, sich anzusehen, wie erfolgreiche Vertreter der Berufsgruppe aussehen. Da ich in meinem früheren Leben als Bibliothekarin arbeitete, weiß ich, in welchem Outfit diese Berufsgruppe herumläuft und natürlich brachte ich dieses Beispiel in der Sendung: „Wenn Sie einen Job als Bibliothekarin wollen, dann sollten Sie äußerlich diesem Klischee entsprechen. Bibliothekare sehen so ähnlich aus wie 68er-Lehrer und Sozialarbeiter. Birkenstock-Latschen, Jeans, Pullover und alles etwas farblos. Bloß nicht auffallen. Wenn Sie also mit Ihrer neuesten Hüfthose, gepirctem Bauchnabel und bauchfreiem Top oder im Miniröckchen erscheinen, dann sind Sie gleich durchgefallen, egal, wie qualifiziert Sie sind. Kommen Sie im chicen Hosenanzug, dann passt das zwar zu einer Unternehmensberatung, aber nicht in eine Bibliothek. Dafür ist es zu overdressed.“

Man kann alleine durch unangemessene Kleidung anecken

Jung und unerfahren, wie ich damals war, glaubte ich nicht, dass man alleine durch die Kleidung anecken kann. Ich war zwar so schlau, zum Vorstellungsgespräch das anzuziehen, was nach meiner Vorstellung „die spießigen Beamten“ sehen wollen, also knielanger dunkelblauer Rock, Bluse in dezenter Farbe und Pumps mit ca. 3 cm niedrigem Absatz, da ich ziemlich groß bin. Es soll ja noch immer Männer geben, die es nicht verkraften, wenn eine Frau größer als sie selbst ist. Aber als ich eingestellt war, zog ich das an, was mir Spaß machte. Das sah ziemlich extravagant, farbenfroh und auch ein wenig sexy aus und irgendwie sah ich nicht wie eine Bibliothekarin aus, sodass ich im Job nicht ernst genommen wurde.

Es reicht also nicht aus, sich im Vorstellungsgespräch zu verstellen, um den Personalern zu gefallen, sondern man sollte dieses Verhalten an jedem Arbeitstag an den Tag legen. Zum Schluss sagte ich noch, dass man sich nicht bewerben sollte, wenn man den Eindruck hat, für den Job zu sehr seine Persönlichkeit verleugnen zu müssen.


Ute Albrecht
Bewerbungsberaterin

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