![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Bewerberängste nach Hartz IV
Teil 2: Weiterbildung - Wer sitzt in der ersten Reihe?
Erfahrungsgemäß sitzen Bezieher geringer Lohnersatzleistungen in der vorletzten Reihe, wenn es um Fortbildungen und Umschulungen geht. In der allerletzten Reihe sitzen Erwerbslose, die keine Leistungen erhalten. Das betrifft vor allem Lebenspartnerinnen oder Ehe- Ganz vorne sitzen die Arbeitslosen erster Klasse. Mit ihrem relativ hohen Lohnersatzleistungen können sie es sich finanziell leisten, sich privat fortzubilden, effiziente Selbstmarketingtechniken zu entwickeln und nebenbei eine Nebenerwerbsselbstständigkeit aufzubauen, um sich als freier Mitarbeiter anzubieten. Darüber hinaus sind auch ihre Chancen größer, in den Genuss einer Weiterbildung für Akademiker zu kommen, denn sie verursachen der Bundesagentur für Arbeit während ihrer Erwerbslosigkeit ja höhere Kosten als jemand, der nur wenig oder keine Leistungen erhält. Die örtliche Agentur für Arbeit sieht es pragmatisch: Jetzt müssen wir dem Diplom-Ingenieur Herrn A. 1500 EUR pro Monat bezahlen. Noch ist er jung und lässt sich leichter vermitteln, als wenn wir ihn verblöden lassen. Dadurch findet er keine Arbeit mehr und das wird teuer für uns. Also bekommt er eine Weiterbildung als internationaler Schweißfachingenieur und QM-Beauftragter. Dadurch steigen seine Chancen, als Diplom-Ingenieur wieder eine Stelle zu finden. Außerdem fällt er während der Weiterbildung aus der Arbeitslosenstatistik. Damit ist ihm und uns geholfen. Die gleiche pragmatische Einstellung wird erwerbslosen Ehefrauen mit 50 EUR Arbeitslosenhilfe zum Verhängnis. Für das Arbeitsamt ist es kostengünstiger, ihr die 50 EUR zu bezahlen und sie ab und zu mal in eine Trainingsmaßnahme zu stecken, damit sie ein Bewerbungstraining bekommt und PC-Kenntnisse erwirbt, über die sie sowieso schon verfügt. Maßgeblich ist es nicht, ihr Qualifikationen zu vermitteln, die sie fit für den Arbeitsmarkt machen, sondern sie aus der Statistik zu drängen. Etliche Bewerberinnen haben mir von dieser Praxis berichtet. Auf den Punkt gebracht: Der Kurs hat mir überhaupt nichts gebracht, ich hätte eher denen noch etwas beibringen können. Die Leute vom Arbeitsamt haben mich dorthin geschickt und gleich darauf hingewiesen, dass ich eine Sperre bekomme, wenn ich diese Trainingsmaßnahme nicht absolviere. Das einzige Gute waren die PCs, die waren besser als mein alter Rechner. Außerdem konnte ich kostenlos ins Internet. |