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Überleben in der Finanzkrise
So what - shit happens, sagt man in England gleichmütig, während man in Deutschland Niederlagen zu großen Problemen hochstilisiert und 1.000 Gründe dafür findet, warum sie niemand lösen könne. Als erfolgreich werden hierzulande nur Menschen angesehen, bei denen im Leben alles nach Plan lief. Alle anderen müssen sich entweder gefallen lassen, in die Loser-Ecke gestellt zu werden oder man bemitleidet sie als Opfer, denen übel mitgespielt wurde. Diese dienen nun dazu, anderen zu zeigen, dass sie noch nicht ganz unten sind und es durchaus Leute gibt, denen es schlechter geht als ihnen.
So weit, so schlecht. Nun ist die Finanzkrise in Deutschland angekommen - sogar in den Kinderzimmern. Mental haben sich die Menschen darauf allerdings noch nicht eingestellt. Noch immer hängt man an den Vorstellungen eines planbaren Lebens ohne Rückschläge, Krisen und Umwege. Man möchte keine falsche Entscheidung treffen und versucht, ein Musterschüler zu sein, der niemals Fehler macht. Klaus gehört zu diesen Menschen. Er verharrt man lieber in seinem alten Job und hofft, dass die Kurzarbeit lange genug dauert, bis ein Investor das marode Unternehmen gekauft hat, es saniert und er seinen Arbeitsplatz behalten kann. Wozu bewerben? Es gibt ja keine Jobs und die, die es gibt, sind schlechter bezahlt als der, den er noch hat. Würde er ihn behalten können und hätte sich erfolgreich um den schlechter bezahlten Job beworben, dann wäre er doch schön blöd, oder? Also klammert Klaus sich an seinen alten Job. Doch das hat seinen Preis - beklommen geht er täglich zur Arbeit und schaut nach Feierabend bang in den Briefkasten, ob in ihm wohl schon die Kündigung liegt. Findet er sie dort nicht, ist der Abend gerettet. Darüber hinaus stellt Klaus fest, dass aus den ehemals so netten Kollegen plötzlich Menschen geworden sind, die anderen nicht einmal den Dreck unter den Fingernägeln gönnen und die sich so benehmen, als hätten deren Eltern vergessen, sie zu erziehen. Es kommt ihm so vor, als würden sie alles versuchen, um zu erreichen, dass man freiwillig kündigt, damit sie ihren Job behalten können. Ganz schön viel Stress, oder? Ich krieg hier die Krise!!! Klaus ist mies gelaunt. Er steht dauernd unter Strom. Denn er dachte bisher
wie die meisten Leute. Deren Denke funktionierte so: | |||||